Vortrag auf der 28. Internationalen Passivhaustagung – „Dekarbonisierung im Bestand: Modulares Anergienetz für das SOS-Kinderdorf Kleve“
Wie gelingt die konsequente Dekarbonisierung einer bestehenden, nur teilweise modernisierten Gebäudegruppe – ohne „Alles-oder-nichts“-Sanierung und mit realistischen Etappen?
Genau diese Frage beantwortet Dipl.-Ing. Jörg Linnig in seinem Vortrag auf der Internationalen Passivhaustagung in Essen.
Im SOS-Kinderdorf Kleve wurde im Rahmen einer geförderten Machbarkeitsstudie ein Wärmeversorgungskonzept entwickelt, das die schrittweise Dekarbonisierung eines heterogenen Gebäudebestands ermöglicht. Bestehende Gebäude für die einzelnen Wohngruppen so wie drei weitere Gebäude mit Kindergarten, Gemeinschafträumen und Verwaltung mit mittlerem Sanierungsniveau werden über ein modulares Anergienetz mit dezentralen Wärmepumpen, solarthermischen Anlagen, PVT-Kollektoren und einem zentralen Geokollektorfeld verbunden. Durch Niedertemperatur-Wärmespeicher (Anergiespeicher), können die Phasen eines geringen Angebotes an Wärmeenergie aus der Umwelt und fehlender Sonneneinstrahlung über einen längeren Zeitraum von bis zu zwei Wochen überbrücken. Hierdurch entsteht eine flexible, skalierbare und weitgehend regenerative Wärmeversorgung. Die hydraulische Trennung von Nieder- und Hochtemperaturkreisen erlaubt den effizienten Betrieb auch dort, wo heute noch höhere Vorlauftemperaturen nötig sind, und schafft so einen realistischen Transformationspfad im Bestand. Intelligentes Energiemanagement ermöglicht zudem netzdienlichen Betrieb, die Nutzung lokaler erneuerbarer Energien entlastet die Stromnetze und unterstützt den weiteren Ausbau der Photovoltaik.
Für Planer und Kommunen
Besonders spannend für Planerinnen, Betreiber und Kommunen: Die hydraulische Trennung von Nieder- und Hochtemperaturkreisen ermöglicht einen effizienten Betrieb auch in Gebäuden, die (noch) nicht für reine Niedertemperatursysteme geeignet sind. So wird ein belastbarer Transformationspfad geschaffen, der spätere Effizienzsteigerungen durch weitere Sanierungen ausdrücklich mitdenkt.
Netz mit Netzdienlichkeit
Ein weiterer Fokus des Vortrags liegt auf der netzdienlichen Betriebsweise: Durch intelligentes Energiemanagement lassen sich variable Stromtarife gezielt nutzen, Lastspitzen glätten und lokal erzeugte erneuerbare Energie optimal einbinden – ein Plus für Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Netzstabilität zugleich.
Das Fachpublikum
Der Vortrag richtet sich an Fachpublikum aus Planung, Wohnungswirtschaft, Trägerorganisationen und Kommunen, die nach übertragbaren Lösungen für die Dekarbonisierung im Gebäudebestand suchen – insbesondere dort, wo soziale Einrichtungen, Quartiere oder heterogene Bestandsstrukturen im Mittelpunkt stehen.
Das Passivhaus-Institut wird 35
Die nächste Internationale Passivhaustagung findet am 24. und 25. April 2026 im Haus der Technik in Essen statt! Unter dem Motto „Mit Energieeffizienz in die Transformation!“ versammelt die Tagung wieder hunderte motivierte Baufachleute aus der ganzen Welt. Gemeinsam arbeiten wir an unserem Ziel eines klimagerechten und zukunftsfähigen Gebäudebestands!

