Das Van der Valk Resort in Linstow ist eines der größten Ferienparks in Norddeutschland. Es umfasst ein Hotel, eine Shoppingmall, zahlreiche Restaurants, ein Erlebnisbad mit SPA-Bereich, Sportanlagen sowie über 600 Ferienhäuser. Jährlich besuchen tausende Gäste das Resort, das zudem regelmäßig Großveranstaltungen mit bis zu 2.000 Personen ausrichtet.
Die Energieversorgung basierte bisher überwiegend auf Erdgas und drei Blockheizkraftwerken, ergänzt durch Gaskessel. Im Jahr 2019 wurden rund 11,2 GWh Erdgas und 2,0 GWh Strom extern bezogen. Besonders energieintensiv sind das Erlebnisbad, die Gastronomie und die elektrisch beheizten Ferienhäuser.
Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten, Klimaschutzanforderungen und eines hohen Kühl- und Wasserbedarfs wurde ein integriertes Quartiers- und Transformationskonzept erarbeitet. Ziel war die Entwicklung einer resilienten und nachhaltigen Energieversorgung mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien.
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden verschiedene Szenarien untersucht, darunter:
– Errichtung bzw. Erweiterung des bestehenden Wärmenetze um die Ferienhäuser, die bislang elektrisch beheizt waren an die Nahwärmeversorgung anzubinden
– Solarthermie (3.000 m² Vakuumröhrenkollektoren für Warmwasser und Heizung)
– Photovoltaik (bis zu 4 MWp zur Eigenstromversorgung)
– Dezentrale Wärmepumpen für Ferienhäuser mit Lüftungsintegration
– Abwasser- und Abluftwärmepumpen zur Abwärmenutzung
– Kalte Nahwärmenetze mit Anergie-Speichern
– Batteriespeicher zur Eigenstromnutzung
Als wirtschaftlichste Variante hat sich eine Hybridlösung herausgestellt:
– Kreis A (Hotel, Erlebnisbad, Mall) bleibt an ein optimiertes Wärmenetz mit Wärmepumpe, Solarthermie und PV angebunden.
– Die Ferienhäuser in Kreis B und C werden dezentral über Wärmepumpen versorgt.
Mit dieser Lösung lässt sich der Anteil erneuerbarer Energien auf über 45 % steigern und der fossile Gasverbrauch erheblich senken. Gleichzeitig werden die Betriebskosten stabilisiert und die Versorgungssicherheit verbessert.
Fazit
Das Projekt Quartiers- und Transformationskonzept Van der Valk Resort Linstow hat gezeigt, wie komplex die energetische Versorgung eines großflächigen Ferienparks mit Hotel, Erlebnisbad, Gastronomie und über 600 Ferienhäusern ist. Durch detaillierte Analysen, Messungen und Simulationen konnte eine Vielzahl an Varianten entwickelt und wirtschaftlich bewertet werden.
Im Ergebnis wurde deutlich, dass ein flächendeckendes Nahwärmenetz aufgrund hoher Tiefbau- und Erschließungskosten nicht wirtschaftlich darstellbar ist. Stattdessen bietet eine Hybridlösung die sinnvollste Perspektive: Das zentrale Areal (Hotel, Erlebnisbad, Mall) wird weiterhin über ein optimiertes Wärmenetz versorgt, in dem Wärmepumpen, Photovoltaik und Solarthermie integriert werden. Die Ferienhäuser in den Bereichen B und C sollen dezentrale Wärmepumpenlösungen mit Lüftungsintegration erhalten.
Im Rahmen der Studie wurden zahlreiche Einzelmaßnahmen identifiziert und Lösungsvorschläge erarbeitet, die auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu einer deutlichen Reduzierung des Energiebezugs sowie gleichzeitig zu einer Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien beitragen.
Diese Lösung senkt den Erdgasverbrauch erheblich, erhöht den Anteil erneuerbarer Energien auf über 45 % und verbessert zugleich die Versorgungssicherheit. Sie macht die Energieversorgung unabhängiger von Preisschwankungen fossiler Energieträger und bildet die Grundlage für eine langfristig klimaneutrale Entwicklung des Resorts.
Damit liefert das Projekt nicht nur ein belastbares Energiekonzept für Linstow, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für vergleichbare touristische Großanlagen und Quartiere, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen
Projektzeitraum
Machbarkeitsstudie 2023–2025, Abschlussbericht März 2025
Leistungen EUKON
• Erstellung integriertes Quartiers- und Transformationskonzept
• Energiebilanzen nach DIN 18599/4108
• Simulationen (Polysun)
• Variantenvergleich (Nahwärme, Wärmepumpen, PV, Solarthermie)
• Wirtschaftlichkeitsanalyse
• Fördermittelberatung
Besonderheiten
• Ferienpark mit Hotel, Erlebnisbad, Shoppingmall, Restaurants, Tagungsräumen und >600 Ferienhäusern
• Energieverbrauch 2019: 11,2 GWh Erdgas + 2,0 GWh Strom
• Hoher Kühl- und Wasserbedarf (Hotel, Schwimmbad, Gastronomie)
• Entwicklung eines resilienten, klimaneutralen Versorgungskonzepts
• Variantenvergleich (u. a. Solarthermie 3.000 m², PV 4 MWp, Luft-/Abwasser-Wärmepumpen, kalte Nahwärme, Batteriespeicher)
Förderung
Gefördert durch die BAFA im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), Modul I




